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Die Macht der Bilder – Memes auf Telegram

|   Medien

Die aktuelle Ausgabe (Winter 2024) des online Magazins „MACHINE AGAINST THE RAGE“ widmet sich der bildbasierten online Kommunikation per Meme auf dem Messenger-Dienst Telegram. Memes sind eine Kombination aus Bild oder Film unterlegt mit Text, meist witzig, ironisch bis sarkastisch. Memes haben also meist eine humoristische Bedeutung und verbreiten sich schnell im Internet. Sie eignen sich für die Generierung von Aufmerksamkeit und sind schnell und leicht konsumierbar. Allerdings lassen ihre Aussagen unterschiedliche, vielfältige Interpretationen zu, abhängig von den Rezipierenden und ihren Interpretationsleistungen. Der Messenger Telegram ist aufgrund seiner Struktur für junge Menschen eher unattraktiv, seine Struktur ist stark auf Kanäle ausgerichtet, die eine einseitige Kommunikation haben im Sinne „Einer, eine an alle“. 

Vorgestellt wird die aktuelle Studie „Five Shades of Hate: Gruppenbezogene Abwertung in Zeiten der Memifizierung“. Der Erhebungszeitraum war von Juni 2022 bis Juli 2023. Das Datensample stammt aus dem Langzeitmonitoring von demokratiefeindlich Handelnden. Erfasst wurde ein Datensatz mit 8,5 Mio. Bildern von 1.675 rechtsextremen, verschwörungsideologischen und esoterischen Kanälen. Verwendet wurden schlussendlich 2.158 Memes, nahezu paritätisch verteilt auf die drei Kanalarten. Theoretisch erfolgte die Annäherung über das Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, untersucht wurden Frauenfeindlichkeit, LGBTQI-Feindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und Muslimfeindlichkeit.

Leider nicht verwunderlich, sondern im Netz schon Gang und Gäbe, fallen die meisten Memes in die Kategorie Frauenfeindlichkeit (31%), vor allem in rechtspopulistischen Kreisen. An zweiter Stelle rangieren LGBTQI-feindliche und rassistische Memes (beide 28%), gefolgt von Antisemitismus (18%) und muslimfeindlichen (6%). Es finden sich aber auch 9% multiple Abwertungen, wobei sich hier eine enge Verbindung zwischen Frauen- und LGBTQI-feindlichen und rassistischen und muslimfeindlichen Memes zeigte. Des Weiteren zeigten sich viele wiederkehrende Erzählungen in den Abwertungen.

In frauenfeindlichen Memes, übrigens ein Fokus der Studie, finden sich vor allem geschlechtsspezifische Stereotypisierungen, Darstellungen als Sexualobjekte, leider aber auch 7% der Memes, die sexuelle Gewalt gegen Frauen verharmlosen bis befürworten. Grundsätzlich wird Frauen eine Selbstständigkeit abgesprochen, Männer dürfen ihren Körper beanspruchen, Frauen sind dem männlichen Geschlecht untergeordnet. Frauen sind überempfindlich, emotional gesteuert bis hysterisch, man kann sie schwer zufriedenstellen und sie sind kostspielig „in der Haltung“. Männer dagegen sind stark, rational überlegen, aber auch triebgesteuert. Beispiel für ein geschmacklos übertriebenes Geschlechterklischee: Bild von einem Verhör eines Mannes durch einen Polizisten mit zwei Sprechblasen. Beide sitzen an einem Tisch, der Polizist fragt: „Also, wann haben Sie bemerkt, dass Ihre Frau tot ist?“ Der Mann antwortet: „Der Sex war wie immer, aber dann häufte sich der Abwasch in der Küche“. Besonders betroffen sind hierbei Politikerinnen der Grünen und der SPD.

LGBTQI-feindliche Memes konzentrieren sich vor allem auf den Wechsel zwischen den Geschlechtern und den vermeintlichen fatalen Folgen (Männer in der Frauenumkleide, Gehirnwäsche von Kindern). Beispiel: Das Meme zeigt einen Fuchs, der seine neue Identität erklärt, einem skeptischen Hund, einer skeptischen Katze und drei skeptischen Hühnern. Der Fuchs sagt: „Ich wurde als Fuchs geboren, aber ich fühle mich wie ein Huhn. Das ist meine neue Identität. Lass mich in den Hühnerstall!“

Häufig verwendet in rassistischen Memes ist das Stilmittel der Komik. Zum Beispiel eine Karikatur, in der Geflüchtete auf ein Schild Richtung Europa mit dem Satz zustürmen: „Auf Geht’s Zu Den Rassisten Um Unterdrückt Zu Werden“. Hier sowie in muslimfeindlichen Memes wird vor Kriminalität, Überfremdung und dem Austausch der deutschen Bevölkerung gewarnt.

Antisemitische Memes treten isolierter auf als die anderen, im Sample vor allem bei QAnon-Gläubigen, darunter Personen aus der Zivilgesellschaft und Wirtschaft mit einflussreichen Positionen, die Macht ausüben über den Rest der Menschheit wie z.B. Georg Soros oder Bill Gates. Aber auch hier geht es um den Bevölkerungsaustausch, jüdische Allmachtsphantasien und den „Great Reset“.

Schließlich sei noch auf eine Art von Meme verwiesen, bei denen Werbeplakate für die eigene Botschaft umfunktioniert werden. In den 1930er Jahren gab es ein Produkt namens „Wichsmädel-Bohnerwachs“. Das Meme zeigt die Dose mit der Aufschrift „Wichsmädel-Bohnerwachs“, eingefügt wurde in das Originalbild ein Scherenschnitt einer knieenden, den Boden putzenden Frau mit der Bildunterschrift „Heute regt man sich über DICKMANN, NEGERKUSS und ZIGEUNERSOSSE auf“.

Die Studie zeigt, dass abwertende Memes sehr unterschiedlich genutzt werden, sich gegen bestimmte Gruppen wenden und unterschiedliche Stilelemente und Rhetorik nutzen, wobei subtile Formen der Abwertung deutlich stärker in dem Datensatz vertreten sind als direkte Hassnachrichten und Gewaltdarstellungen. Nichtsdestotrotz tragen solche Memes zur Abwertung und zum Lächerlich-Machen von bestimmten Gruppen bei und werden vor allem von demokratiefeindlichen Menschen verbreitet und geteilt. Daher gilt es immer wachsam und achtsam zu sein, welche Memes, Bilder und Texte weitergeleitet oder geliked werden. Denn nicht jeder scheinbar lustige Post oder Meme ist wirklich so harmlos, wie er auf den ersten Blick wirkt!

Mehr zur Studie unter: machine-vs-rage.bag-gegen-hass.net/five-shades-of-hate-gruppenbezogene-abwertung-in-zeiten-der-memifizierung/

Sabine Jörk, EAM-Vorsitzende

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