Skip to main content

SPRUCH des Monats April

|   Besinnung

„Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier. Seht da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.“

(Mk.16,6)

„Entsetzt euch nicht!“ ruft der Engel den Frauen zu, die zum Grab Jesu kommen, um seinen Leichnam zu salben. In der Frühe des ersten Tages der neuen Woche nach der Sabbatruhe sind sie losgelaufen mit duftendem Salböl. Auf dem Weg kreisen ihre Gedanken um den schweren Stein, mit dem das Grab verschlossen wurde. „Wer wälzt uns den Stein fort“, fragen sie sich. Sollte an dem Stein ihr Vorhaben scheitern? Als sie ankommen, ist das Grab offen, und statt des Leichnams erwartet sie in der Grabhöhle eine strahlend weiße Gestalt mit der Botschaft: „Er ist auferstanden. Er ist nicht hier“. Sie erschrecken, sind von Entsetzen gepackt und augenblicklich stehen die Bilder von diesem schwarzen Freitag wieder vor ihren Augen, die sich in ihrer Seele eingebrannt haben: Jesus mit Folterstriemen am ganzen Leib, seine blutenden Wunden, die Dornenkrone auf dem Kopf und das Kreuz auf seiner Schulter, das ihn fast zu Boden drückt. Dann der Horror der Kreuzigung! Wie betäubt haben sie das alles verfolgt, fast ohnmächtig vor Schmerz und fassungslos, was mit Jesus da geschah. War das nicht genug an Grausamkeit?! Und nun das! Nicht einmal der Tote soll seine Ruhe haben! Und die, die ihn liebten, keinen Ort für ihre Trauer! Entsetzen packt sie im Grab. Was der Engel ihnen sagt, können sie nicht hören. Wenn die Grausamkeit unsere Leidensfähigkeit übersteigt, hilft unser Körper der Seele und macht dicht. Auch die gute Botschaft dringt dann nicht mehr zu uns durch. Trauernde kennen das.

Ich kann das Entsetzen der Frauen nachempfinden. Verstehe auch, dass der Evangelist Markus uns die Unerträglichkeit dieses Todes nicht ersparen will.

Haben wir alle dieses Entsetzen nicht auch empfunden, als wir die Nachricht hörten, dass da Hamas-Terroristen ein Massaker angerichtet haben in Israel und Gaza unter fröhlich feiernden jungen Menschen und unter friedlich schlafenden Familien? Es verschlägt einem den Atem, zu hören, was Menschen anderen Menschen antun können. Um wieviel traumatischer für die, die es erleben!

Genauso das Gemetzel in Butscha, der Mordanschlag in Hanau. Einfach entsetzlich!!! Es sprengt unser Denken, zieht uns den Boden unter den Füßen weg, zerreißt uns das Herz. Markus lässt die Frauen in panischer Angst von dem Grab weglaufen, unfähig über das zu reden, was sie erlebt haben.

Unsere Welt wäre nicht auszuhalten, und die Gewalttätigen könnten uns durch unsere Ängste leicht beherrschen, wäre nicht doch die Botschaft des Engels bei uns angekommen: Der Gekreuzigte ist auferstanden! In den anderen Evangelien schweigen die Frauen nicht, sondern gehen hin und bezeugen den Jüngern, was sie gesehen und gehört haben.

Der Tod am Kreuz hat Jesu Leben nicht auslöschen können. Das Leben, das er in der Welt gelebt hat, kann auch der mächtigste Herrscher und der grausamste Mord nicht ungeschehen machen. Sein freier Geist und die sanfte Macht seiner Liebe sind das Erbe, das er seinen Freunden und Freundinnen hinterlassen hat. Als der Schock der Erschütterung sich gelöst hat, der Auferstandene sich ihnen selbst auch gezeigt hat, erinnern sie sich an seine Worte, und sie erzählen davon, wie er Menschen begegnete, freundlich, zugewandt, ohne Vorurteile, versöhnlich und heilsam. Sie werden sagen, dass er ihnen die Tür geöffnet hat für einen neuen Zugang zu Gott und er ihren Blick auf andere Menschen und sie selbst verändert hat. Und unser Glaube lebt von ihrem Zeugnis.

Wo immer wir uns nicht überwältigen lassen von all dem Bösen, das die Welt erschüttert, sondern sehen, wie viel Gutes auf den Spuren der sanften Liebe Jesu unter uns geschieht, da erleben wir die Kraft der Auferstehung. Sie richtet uns auf, und wir melden uns zu Wort in Jesu Geist, überlassen der Menschenverachtung und den Menschenpeinigern nicht das Feld. Wir feiern Ostern, den Sieg des Lebens über den Tod. Auch und gerade an unseren Gräbern, wo hier und da in alter Tradition noch das Osterlied angestimmt wird:

Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis. Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.   (EG99)

Ulrike Börsch, Pfrin i.R.

 

 

 

Zurück
Drei Frauen am leeren Grab