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SPRUCH des Monats Juli

|   Besinnung

Paulus schreibt nach Kreta an Titus, der dort als Missionar tätig ist:

1 Du aber rede, wie sich’s ziemt nach der heilsamen Lehre: 2 Den alten Männern sage, dass sie nüchtern seien, ehrbar, besonnen, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld; 3 desgleichen den alten Frauen, dass sie sich verhalten, wie es Heiligen ziemt, nicht verleumderisch, nicht dem Trunk ergeben, fähig, Gutes zu lehren, 4 damit sie die jungen Frauen zur Besonnenheit anhalten, dass sie ihre Männer lieben, ihre Kinder lieben, 5 verständig seien, keusch, häuslich, gütig und sich ihren Männern unterordnen, damit nicht das Wort Gottes gelästert werde.

Titus 2

Die älteren Frauen sollen den jüngeren das Gute lehren und was das Gute ist, wird auch gleich gesagt: nämlich: Verständig sein, keusch, häuslich, gütig und sich den Männern unterordnen. Eine Aufforderung, die jede vernunftsbegabte Frau des 21. Jahrhunderts bestenfalls mit Stirnrunzeln begegnet. Noch immer haben Frauen und Männer allenfalls auf dem Papier der entwickelten Staaten gleiche Rechte, in der Praxis gibt es so noch erheblichen Nachholbedarf. Für Haushalt, Kindererziehung und Berufstätigkeit bestehen für beide Partner gleiche Pflichten, an die zu erinnern auch ein wichtiger Auftrag von Frauenverbänden wie der DEF ist.

Und jetzt kommt diese Stelle aus der Bibel. Und nicht wenige Einträge aus dem Internet von Frauen, die die Aussagen wortwörtlich nehmen, bedienen den Flash-back, der auch zuweilen vielerorts immer noch oder schon wieder zu hören ist. Dieser Text wird sonntags nie gepredigt, zumal er nach heutigem Verständnis nicht frei von Peinlichkeit ist, wenn man weiß, dass die ersten christlichen Gemeinden nicht selten von Frauen geleitet wurden. Aber von Fundamentalisten wird diese Passage wortwörtlich genommen. Die Bibel ist als Sammlung von Schriften und Autorenmeinungen gemäß der damaligen patriarchalen Weltvorstellung zu sehen. Paulus sowie auch Titus müssen wir als Kinder ihrer Zeit sehen. Ich habe diese Textzeile auch ausgewählt, um zu zeigen, dass kein Glaubenssatz für immer und ewig unumstößlich sein kann, sondern immer einer Entwicklung zu mehr Menschlichkeit Rechnung tragen muss. Wenn es dazu noch eines Beweises bedürfte so wird dieser spätestens im darauf folgenden Vers 9 angetreten: 9 Die Sklaven ermahne, dass sie sich ihren Herren in allen Dingen unterordnen, ihnen gefällig seien, nicht widersprechen, 10 nichts veruntreuen, sondern sich stets als gut und treu erweisen, damit sie in allem die Lehre Gottes, unseres Heilands, schmücken.

Keiner wird doch so fundamental rückständig sein, dass er die Praxis der Versklavung nicht als Greuel ansehen wird. Gleiche Rechte für alle Menschen, und zwar egal welcher Hautfarbe und welchem Geschlecht. Denn Gott ist nicht männlich oder weiblich, Gott ist männlich und weiblich zu gleich und darüber hinaus noch viel mehr.

Es ist traurig, dass diese Selbstverständlichkeit in den Ländern und Gesellschaften, den Religionen bzw. deren Auslegungen immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, sondern im Namen der Menschlichkeit immer wieder darum gekämpft werden muss.

Angela Sophie Brandt, Ortsverband Hannover

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Menschen stehen auf Hügel und schauen in Sonnenuntergang
Quelle: pixabay.com