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Pflegeberufereformgesetz regelt Pflegeausbildung neu

|   Aktuelles

Dem wachsenden Notstand in der Pflege will die Bundesregierung mit einer Reform der Ausbildung begegnen. Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder doch Altenpflege? Auszubildende in Pflegeberufen müssen sich künftig nicht mehr zu Beginn ihrer Aus­bildung entscheiden, welchen Weg sie gehen. Zudem wird sie für alle Auszubildenden kostenlos.

Andrea Jörger, Schriftleiterin und Autorin im Ketteler Verlag, informiert nachfolgend über das neue Pflegeberufereformgesetz.

Die Neuregelungen sollen für die Ausbildungsjahr­gänge ab 2019 gelten. Die Finanzierung aller Ausbildungswege erfolgt unterschiedslos über einen gemeinsamen Ausbildungsfonds.

Nachdem der Bundesrat Anfang Juli seine Zustimmung erteilt hatte, konnte das Pflegeberufereformgesetz (Gesetz zur Reform der Pflegeberufe) vom 17. Juli 2017 verkündet und das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren damit zum Abschluss gebracht werden (Bekanntmachung in: BGBl. I Nr. 49 v. 24.7.2017, S. 2581 ff).

Mit der dem Gesetz zugrunde liegenden Reform wird die Ausbildung in der Pflege ab dem Ausbildungsjahr 2020 als auch deren Finanzierung ab dem Jahr 2019 vollkommen neu geregelt. Erklärtes Ziel ist es, vor dem Hintergrund eines zunehmenden Fachkräftemangels, den Pflegeberuf zukunftsfähig und attraktiver zu machen und die Pflege qualitativ zu verbessern. 

Den Kern des umfangreichen Regelungswerkes bildet das in Artikel 1 des Pflegeberufereformgesetzes enthaltene Gesetz über die Pflegeberufe (Pflegeberufegesetz). Dieses Gesetz sieht im Wesentlichen vor, dass die bisher getrennten Ausbildungswege in der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung mit dem Berufsabschluss zur „Pflegefachfrau“ bzw. zum „Pflegefachmann“ zusammengefasst werden. Es geht also darum, statt vertieftem Spezialwissen (z.B. als Kinderkrankenschwester) ein breites Spektrum an Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten der Pflegekräfte zu schaffen und einen Wechsel zwischen den verschiedenen Pflegebereichen zu ermöglichen.

Die neue generalistische Ausbildung startet mit Beginn des Ausbildungsjahres 2020/2021. Dabei sind die ersten beiden Ausbildungsjahre für alle Auszubildenden im Pflegebereich verbindlich. Nach zwei Jahren gemeinsamer Ausbildung kann eine einjährige Spezialisierung („Vertiefung“) in den Bereichen Kinderkranken- oder Altenpflege gewählt werden, wenn dies zu Beginn der Ausbildung zwischen Ausbildungsträger und Auszubildenden vertraglich vereinbart wurde. Dadurch kann - statt des generalistischen Berufsabschlusses Pflegefachfrau / Pflege­fachmann - auch weiterhin ein spezieller Abschluss in der Kinderkranken- oder Altenpflege erworben werden. Allerdings behält sich der Gesetzgeber vor, nach Ablauf von sechs Jahren ab Beginn der neuen Ausbildung zu überprüfen, ob für diese gesonderten Abschlüsse weiterhin Bedarf besteht. Eine Ausbildung zur Pflegehelferin bzw. zum Pflegehelfer kann auf die Ausbildung zur Pflegefachkraft angerechnet werden.

Bereits ab dem Jahr 2019 wird die Ausbildung in der Pflege durch einen Ausbildungsfonds finanziert. Dieser Fonds wird auf Länderebene organisiert und maßgeblich durch die Einrichtungen der verschiedenen Pflegebereiche finanziert. Demnach werden in allen Bundesländern alle Pflegeeinrichtungen durch ein Umlageverfahren an der Finanzierung der Pflegeausbildung beteiligt. Zum 1.1.2020 wird das von einigen Ländern noch erhobene Schulgeld an Pflegeschulen bundeseinheitlich abgeschafft. Zuguns­ten der Auszubildenden sieht das Gesetz die Zahlung einer „angemessenen“ Vergütung vor.

Ergänzend zur beruflichen Pflegeausbildung wird es das Pflegestudium geben: Neu eingeführt wird mit der Reform eine Pflegeausbildung an Hochschulen. Das Studium soll drei Jahre dauern und insbesondere ein vertieftes Wissen über Grundlagen der Pflegewissenschaft vermitteln.

Quelle: AVR-Kompendium, Aktuelle Information, 54. AL, 2017, Ketteler Verlag, Waldmünchen

 

 

 

Tipp: Das Pflegeberufereformgesetz wird mit Hintergründen sowie Fragen und Antworten zur neuen Rechtslage auf dem Webangebot des Bundesministeriums für Gesundheit vorgestellt unter www.bundesgesundheitsminister.de.

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Quelle: NicoLeHe_pixelio.de